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24.10.2017 10:35

Beijing gibt die Richtung vor

BEIJING (Dow Jones)--China will die globale Autoindustrie revolutionieren und die Benzinfresser auf seinen Straßen mit grünen E-Autos ersetzen. Ausländische Autobauer sollen dabei kaum eine Rolle spielen - vielmehr strebt das Reich der Mitte an, zum wichtigsten Exporteur von Elektroautos werden.

Es ist bisher an dem Versuch gescheitert, westliche und asiatische Autobauer bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren auszustechen. Stattdessen will es jetzt alles auf die Elektro-Karte setzen. Die Zentralregierung prüft nach eigenen Angaben ein komplettes Verbot von Benzinautos, ohne jedoch einen Zeitplan dafür zu nennen. Zumindest sollen laut dem Plan "Made in China 2025" chinesische E-Autos bis 2020 einen Marktanteil von 70% in der Volksrepublik haben.

Ironischerweise führt diese Strategie voraussichtlich dazu, dass ausländische Autobauer kurzfristige Erfolge feiern werden. Wenn US-Präsident Donald Trump im November nach China reist, dürfte die Regierung erstmals die Erlaubnis für den Bau von Autofabriken in Sonderwirtschaftszonen geben, die zu 100% in ausländischem Besitz sind. Davon könnte vor allem Tesla profitieren.

Das wahre Ziel sei dabei, Technologieimporte zu steigern, sagt Michael Laske, China-Chef der österreichischen Autoberatung AVL List. Die globalen Lieferketten einer strategisch wichtigen Branche würden sich so stärker an der Volksrepublik orientieren. "Das ist brillant", sagt Laske.

Der Erfolg ist damit lange nicht garantiert. Zwar boomen E-Autos in China - das Land hat bereits mehr Ladestationen als die USA. Doch Skeptiker sagen, dass das Interesse nur durch hohe Subventionen so groß gewesen sei. Die Batterietechnologie muss sich noch deutlich weiterentwickeln, und bis auf wenige Ausnahmen habe es das Land bisher nicht geschafft, wirklich globale Marken zu schaffen.

Ähnliche Zweifel gab es einst auch an der Solarindustrie, die China heute dominiert. Die heimischen Hersteller steigerten die Leistung der Module und senkten die Kosten dank großer Produktionsmengen. Smartphone-Marken wie Huawei haben Apple auf dem chinesischen Markt entthront und bieten heute eine vergleichbare Qualität zu deutlich niedrigeren Preisen. In Afrika und Nahost sind die Marken auch schon erfolgreich; in Europa versuchen sie gerade Fuß zu fassen.

Warum sollte es bei E-Autos anders laufen? Mechanisch gesehen sind sie deutlich einfacher als konventionelle Fahrzeuge, sagt Gary Rieschel, Gründer von Qiming Venture Partners, einer der führenden Private-Equity-Firmen in der Volksrepublik. Das Land ist zudem der weltgrößte Batteriehersteller.

Japan und Südkorea brauchten 20 Jahre, um Autoindustrien von Weltrang aufzubauen. China hat das auch nach 40 Jahren noch nicht geschafft. Mit Elektroautos will das Reich der Mitte diesen Misserfolg nun wettmachen. Ursprünglich wollte Beijing einige globale Autobauer einladen, mit Staatsfirmen Joint Ventures einzugehen, ihre Technologien übernehmen und dann im Alleingang weitermachen. Tatsächlich gaben sich die Staatskonzerne jedoch mit den Joint-Venture-Gewinnen zufrieden, während GM, Ford und Toyota ihre wertvollsten Technologien für sich behielten.

Diesen Fehler will die Zentralregierung nicht wiederholen. Im Jahr 2000 umfasste der chinesische Automarkt weniger als 1 Mio Autos. Im vergangenen Jahr waren es schon 24 Mio, davon 350.000 E-Fahrzeuge. Die Umwelt spielt bei den Plänen Chinas eine wichtige Rolle. Smog ist ein heißes Thema in der Politik, und regelmäßig wird das Leben in Beijing durch die Luftverschmutzung nahezu unerträglich. Überall sind die Straßen verstopft. Die Regierung versucht deshalb, den Verkehr ganz neu zu erfinden. Die E-Mobilität spielt dabei eine zentrale Rolle.

Die Volksrepublik macht bereits ein Drittel der globalen Autoumsätze aus. Der heimische Markt könnte sich erneut verdoppeln. Und selbst dann besäßen die Chinesen pro Kopf noch nicht so viele Autos wie die Amerikaner - noch ein Grund, um den Fokus in Zukunft auf Elektromobilität zu lenken.

Das Reich der Mitte wird in der globalen Autoindustrie in den nächsten Jahren die Richtung bestimmen, und Käufer werden immer häufiger auf "Made in China" setzen. Dow Jones

www.maerkte-weltweit.de

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