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20.12.2017 10:05

Warum die BoJ einen Schlussstrich ziehen könnte

TOKIO (Dow Jones)--Die japanische Zentralbank (BoJ) bietet seit Jahren das Paradebeispiel für eine radikal lockere Geldpolitik. Das dürfte sich im nächsten Jahr ändern. Nachdem sie 4 Bill USD in das Finanzsystem gepumpt und die Leitzinsen unter 0 gesenkt hat, dürfte die BoJ ihren Leitzins bald wieder anheben, sagen Marktteilnehmer.

Vertreter der Zentralbank bestätigen das nicht offiziell, doch anstatt die Markterwartungen zu korrigieren, machen einige Geldpolitiker Andeutungen über eine neue Strategie. Kommt es 2018 wirklich so weit, würde das einen Schlussstrich unter ein Jahrzehnt der Krisenbewältigung ziehen. Die amerikanische Federal Reserve hat längst angefangen, die Zinsen wieder anzuheben, und die Europäische Zentralbank und die Bank of England folgen ihrem Beispiel.

Japan leidet schon seit den 1990er-Jahren unter der Deflation und Stagnation und hat am längsten an der radikal lockeren Geldpolitik festgehalten. Eine Kehrtwende birgt auch Risiken für die globalen Märkte und die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt, die seit sieben Quartalen wächst.

Eine verfrühte Straffung der Geldpolitik würde den Yen verteuern und vielen Japanern die Konsumlust verderben. Die Kerninflation liegt mit 0,8% immer noch weit unter Zentralbank-Gouverneur Haruhiko Kurodas Zielwert von 2%. Manche sind deshalb gegen eine schnelle Kehrtwende in der Geldpolitik.

"Die Zinsen können nicht ewig auf dem aktuellen, ultralockeren Niveau bleiben", sagt eine mit den Gedanken der BOJ vertraute Person. In mancher Hinsicht entfernt sich die Notenbank längst von ihrer lockeren Geldpolitik: Die BoJ hat die Menge der Staatsanleihen, die sie kauft, im jüngsten Zwölfmonatszeitraum auf rund 60 Bill Yen (JPY; rund 452 Mrd EUR) reduziert. Am Höhepunkt von Kurodas Programm kaufte die Bank Papiere im Wert von 80 Bill JPY.

Kuroda streitet ab, dass es sich dabei um eine Verknappung der Geldpolitik handelt. Im September 2016 habe die Bank vielmehr entschieden, sich auf die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen anstatt auf die Menge der gekauften Anleihen zu konzentrieren. Man ziele weiterhin erfolgreich auf Nullrenditen ab, sodass man nicht von einem Richtungswechsel sprechen könne, sagt er.

Der Gouverneur, dessen fünfjährige Amtszeit im April endet, hat zuletzt jedoch auch die Nachteile der extrem niedrigen Zinsen erwähnt. Analysten werten das als Versuch, die Märkte auf eine Zinsanhebung vorzubereiten.

Anfang November berichtete Kuroda, dass die Gewinne von Geschäftsbanken von den niedrigen Zinsen belastet werden. Noch mehr Aufmerksamkeit erhielt er mit einer Rede an der Universität Zürich kurze Zeit später, in der er über den Umkehrzins sprach - also den Punkt, an dem niedrige Leitzinsen der Bankenindustrie eher schaden und die Vorteile der lockeren Geldpolitik untergraben.

Als die Marktbeobachter ihre ersten Schlüsse daraus zogen, stritt Kuroda ab, dass er etwas Neues gesagt habe. Seitdem hat einer seiner Stellvertreter, Hiroshi Nakaso, Sorgen über die lange quantitative Lockerung geäußert.

"Zürich war der Anfang", sagt Naka Matsuzawa, Chef-Japanstratege bei Nomura Securities. Der 73-jährige Gouverneur könnte sich damit gerade den Weg ebnen für eine 2. Amtszeit, in der er den Übergang weg von seiner bisherigen Geldpolitik überwachen könnte, sagt Matsuzawa.

Die Bank of Japan hat den Einlagenzins bei minus 0,1% festgesetzt, sodass Geschäftsbanken unter Umständen Gebühren zahlen müssen, um ihr Geld bei der Zentralbank zu parken. Das verärgert einige Banker, weil das die Renditen und Kreditmargen belaste.

"Es besteht kein Zweifel daran, dass der Umkehrzins in der nahen Zukunft Realität wird", sagt Nobuyuki Hirano, Chef der größten japanischen Finanzfirma Mitsubishi UFJ Financial Group.

Marktstrategen sind uneins darüber, wann im kommenden Jahr der 1. Zinsschritt stattfinden könnte. Takahiro Sekido, Stratege bei der Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ und ehemaliger Zentralbankbeamter, sagt, dass die BOJ ihren Zielwert für zehnjährige Staatsanleihen schon im 1. Quartal anheben könnte. Andere erwarten das erst später im Jahr, wenn deutlicher wird, dass die Inflation auf 2% zuhält.

Marktteilnehmer rechnen im Schnitt damit, dass das Anleiherenditeziel von 0 auf 0,2 bis 0,3% steigen wird. Die Zentralbank könnte als nächstes die negativen Einlagenzinsen für Geschäftsbanken abschaffen.

Diese Veränderungen dürften die Märkte im kommenden Jahr beschäftigen, vor allem weil höhere Zinsen den Yen gegenüber anderen Währungen verteuern könnten. Einige Händler haben dieses Jahr Yen geliehen, um Schwellenmarktwährungen mit höheren Renditen zu kaufen. Steigt die Landeswährung, wären diese Carry Trades weniger profitabel, weil die Investoren im Prinzip gegen den Yen wetten.

Adarsh Sinha, Co-Chef für asiatische Zinsen und Devisenstrategie bei Bank of America Merrill Lynch in Hongkong, sagt, dass er in den kommenden Monaten weiterhin den Yen für Carry Trades nutzen werde, weil andere Zentralbanken ihre Geldpolitik schneller straffen als die Bank of Japan. "Danach muss man jedoch vorsichtig sein", sagt er. Dow Jones

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