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17.01.2018 10:30

China: Eine Wirtschaft ohne Markt?

BEIJING (Dow Jones)--Wollen Sie Geld in China verdienen ? Dann investieren Sie in einen App-Entwickler, einen Gesundheitsdienstleister oder eins der großen staatlichen Konglomerate. An den Bau einer Fabrik sollten Sie aber keine Gedanken verschwenden, rät Dow-Jones-Korrespondent Nathaniel Taplin. In den USA heißt es, China sei eine Wirtschaft ohne Markt. Die Aussage trifft teils sogar zu. Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe zeigte im November das Bild einer Verlangsamung der Aktivitäten. Auf den ersten Blick stimmt diese Aussage nicht, denn der Index kletterte auf 51,8 von 51,6 im Vormonat. Doch die Preise steigen langsamer, die Beschäftigung geht zurück. Der zweite Blick zeigt: Die Schere zwischen den großen Staatskonzernen und den kleinen, privaten Fabriken wird größer.

Der Index zeigte für die kleinen Firmen der Volksrepublik den 5. Monat einen Rückgang der Aktivitäten, auch wenn der Abschwung langsamer wird. Die Großkonzerne legten dagegen den 21. Monat in Folge zu. Die erzwungene Schließung von Fabriken im Herbst und Winter, von der vor allem der private Sektor betroffen war, ist eine gute Nachricht für weltweite Investoren in der Schwerindustrie, also Stahl, Aluminium oder Chemie. Dank der geschlossenen Hochöfen in China wird der nachlassende Bauboom dort nur leichte und keine katastrophalen Spuren am Rohstoffmarkt hinterlassen.

Die staatliche Attacke auf die privaten Firmen hatte jedoch das Ziel, die schuldengeplagten Staatsfirmen zu stützen, und das sendet Besorgnis erregende Signale. Staatlich kontrollierte Unternehmen steigerten ihre Gewinne im Oktober um die Hälfte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die Gewinne im privaten Sektor fielen dagegen um 14%. Steigende Rohstoffpreise, teurere Kredite und die Produktionsunterbrechungen forderten ihren Tribut. Im Stahlsektor, wo die Kapazitäten am schärfsten reduziert wurden, sanken die privaten Investitionen um 16%. Im gesamten Bereich fielen sie aber nur um 5%, und das trotz der seit Juni um 20% gestiegenen Stahlpreise und Margen auf Mehrjahreshoch.

Für Investoren mit Sorge vor einem kurzfristig bevorstehenden Wirtschaftseinbruch im Reich der Mitte sind das erst mal gute Nachrichten. Höhere Gewinne der ineffizienten Staatsfirmen bedeuten, dass diese ihre Schulden besser bezahlen können. Allerdings lässt das alles die Zuversicht in eine langfristig prosperierende Zukunft Chinas nicht steigen. Der Internationale Währungsfonds hat vorgerechnet, dass harte Reformen im Staatsektor inklusive Privatisierungen das langfristige Wachstum der Wirtschaft im Reich der Mitte um 1,2% punkte steigern könnten.

Nach Reformen sieht es jedoch nicht aus. Der IWF befürchtet ein steigendes Risiko, dass Beijing die bislang vorgenommenen, vorsichtigen Reformen als ausreichend ansieht. Die aktuellen Konjunkturdaten zeigen, dass der Zustand der Wirtschaft Chinas derzeit "ok" ist. Vor aufgeregten Analysten, die Erfolge herbeisehnen und die Schulden- sowie Wachstumsproblem als gelöst betrachten, sei jedoch gewarnt. Dow Jones

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