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31.01.2018 10:30

Markt für Gebrauchtwagen boomt in China

NINGBO (Dow Jones)--Chinas Markt für Neufahrzeuge ist ins Stottern geraten. Dafür steigen inzwischen Gebrauchtwagen in der Gunst der Chinesen. In den ersten elf Monaten stiegen die Pkw-Neuzulassungen nur um 1,9% und lagen damit deutlich unter dem Vorjahreswert. Zudem verfehlten sie auch das prognostizierte weltweite Wachstum von 2,7%.

Einige Autohersteller haben sogar mit rückläufigen Absatzzahlen zu kämpfen. Ford Motor zum Beispiel verzeichnete einen Rückgang von 6%. Zum Teil liegt dies am Boom bei Gebrauchtwagen. Deren verkäufe kletterte im vergangenen Jahr um gut ein Fünftel, wie Xu Haidong vom chinesischen Herstellerverband sagte. Bis vor kurzem war der Besitz eines Autos noch etwas Besonderes für die neue Mittelschicht, inzwischen sind sie "entmystifiziert", wie Li Jian, Chef der Online-Autohandelsplattform Renrenche, sagte. Zwar seien die Kunden immer noch imagebewusst, doch suchten sie nun nach Schnäppchen.

Ausländische Hersteller haben die Zeichen der Zeit erkannt. Der Gebrauchtmarkt ist zu wertvoll geworden, um ihn zu ignorieren. Entsprechend bauen sie ihre Angebote aus. Eine Sprecherin von General Motors sagte, dass alle 1.600 Buick, Cadillac und Chevrolet-Händler nun auch Gebrauchtwagen anböten. 2017 sei ihr Absatz um 30% gestiegen. Auch Ford ist auf den Zug aufgesprungen. Laut einem Sprecher stehen bei 80% der rund 800 chinesischen Händlerbetriebe auch zertifizierte Gebrauchtwagen in den Verkaufshäusern.

In den USA kommen auf eine Neuzulassung mehr als zwei Gebrauchtwagen. In der Volksrepublik ist die Lage noch umgekehrt. Die Gebrauchtwagenverkäufe werden laut Autohändlerverband in diesem Jahr voraussichtlich 12,5 Mio erreichen, gegenüber rund 24,9 Mio Neuzulassungen. Dieses Verhältnis dürfte sich im Zuge der Marktsättigung verschieben. 2020 dürften mehr Gebraucht- als Neuwagen verkauft werden.

Millionen von Menschen, die vor einigen Jahren erstmals ein Fahrzeug gekauft haben, seien nun sachkundiger geworden und wollten kostengünstig aufrüsten, so Li. Auch die Politik spiele mit entsprechenden Änderungen dem Markt in die Karten.

In der Provinzstadt Ningbo wechseln laut Händlerverband mehr Gebrauchtwagen den Besitzer als irgendwo anders in China. Ningbo liegt in der Nähe von Shanghai und Hangzhou, zwei der größten und wohlhabendsten Städte des Landes. Dort gebe es ein reichhaltiges Angebot an hochwertigen, fast neuen Fahrzeugen.

Chinesische Käufer hätten herausgefunden, dass "niemand auf der Straße jemals wissen würde, dass das Auto gebraucht gekauft wurde", solange sie ein Modell in gutem Zustand kauften, sagte Lu Mengzheng, ein Showroom-Manager im Yichetang- Gebrauchtwagenzentrum in Ningbo.

In seinem Ausstellungsraum stehen BMW, Maserati und Mercedes-Benz, und ein Sondermodell eines Lincoln Navigator bot er für 256.000 US-Dollar an, ursprünglich war es 830.000 wert.

Noch liegt der Gebrauchtwagenverkauf nahezu fest in den Händen der lokalen Händler. Die Expansion hat aber auch einige Investoren hellhörig werden lassen. So unterstützen sowohl das Internetwarenhaus Tencent als auch der Fahrtenvermittler Didi Chuxing die Plattform Renrenche. Sequoia Capital hat in die konkurrierende Plattform Guazi investiert, und Alibaba betreibt ein Portal namens Xianyu.

Dank geschickter Werbung haben diese Webseiten ihren Marktanteil von etwa 5 auf 15% ausgebaut, so Piston Intelligence, ein in Guangzhou ansässiges Unternehmen für Automobilanalysen. Nun müssten die Hersteller reagieren und "den Gebrauchtwagenverkauf stärker in den Fokus rücken", sagte Qian Xu, Direktor beim Beraterunternehmen Alixpartners. Dies sei nicht zuletzt deshalb erforderlich, weil Käufer von hochwertigen gebrauchten Autos später oft wiederkommen, um ein Neufahrzeug zu kaufen.

Zwar zögern einige Kunden in Ningbo noch mit einem Kauf via Internet. Aber es werden immer mehr. He Yong aus Chongqing hat Gebrauchtwagen sowohl über Guazi als auch über Renrenche gekauft. Er ziehe den Onlinekauf vor, weil er dabei nicht von Verkäufern "gehetzt" werde. Dow Jones

www.maerkte-weltweit.de

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