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25.04.2018 10:20

Öffnung - aber ohne Kontrollverlust

SHANGHAI (Dow Jones)--China will bis zum Jahresende eine Handelsbrücke zwischen den Aktienmärkten Londons und Shanghais schlagen. Das markiert einen weiteren Schritt auf dem Weg zu einer Öffnung der eigenen Finanzmärkte und gibt den Brexit-geplagten Briten einen heiß ersehnten Vertrauensbeweis. Der von der Zentralbank angekündigte Plan ist Teil einer ganzen Reihe von Maßnahmen, mit denen Ausländern der Zugang zu Chinas Finanzsektor weiter erleichtert werden soll. Er folgt auf die relativ milde Rhetorik von Präsident Xi Jinping in Hinblick auf die sich verschlechternden Handelsbeziehungen zu den USA.

Das sogenannte Connect-Programm für Shanghai-London-Aktien kommt nach mehreren Jahren, in denen die Chinesen global agierenden Investoren bereits den Handel auf zwei Inlandsbörsen gestatten - in Shenzhen und in Shanghai. Das funktionierte über eine ähnlich wie die nach London gelagerte Handelsbrücke zu Hongkong. Dank dieser Verbindung konnten jeden Tag milliardenschwere Investments zwischen Hongkong und den Festlandbörsen fließen.

Allerdings könnte sich das neue Programm als weniger beliebt als das Vorgängermodell erweisen - zumindest am Anfang. Chefanalyst Wu Zhaoyin von Avic spricht für den Beginn von einem eher symbolischen Wert. Der substanzielle Zeitunterschied zwischen London und Shanghai, der normalerweise sieben Stunden beträgt, bedeute, dass Anleger an beiden Finanzplätzen entweder sehr früh oder sehr spät den Handel betreiben müssten. Darüber hinaus drücke das mangelnde Wissen der chinesischen Investoren, insbesondere der Kleinanleger, über in London gehandelte Aktien tendenziell die Nachfrage.

Wahrscheinlich wird die Handelsverbindung zwischen Shanghai und London ähnlich konstruiert wie die des Shanghai-Hongkong-Connect-Programms, das Beijing im November 2014 angekündigt hatte. Dank dieser Brücke können qualifizierte Festland-Investoren bei Aktien in Hongkong zugreifen, was in der ehemaligen Kronkolonie für einen starken Schub bei den Handelsvolumina gesorgt hatte. Solche bilateralen Vereinbarungen Beijings mit dem Zweck, sich mit ausländischen Finanzmärkten zu verbinden, spiegeln sowohl den graduellen Reformansatz der Machthaber als auch die stets vorhandene Angst vor Kapitalflucht wider. Die aktuellen Verbindungen zwischen dem Festland und Hongkong sind so strukturiert, dass das in beide Richtungen fließende Geld nur für Aktienkäufe verwendet werden kann.

Angesichts von Chinas ziemlich brüchigem Finanzsystem und der hohen Verschuldung will Beijing die Kontrolle über die Finanzliberalisierung und Kapitalflüsse keinesfalls aus der Hand geben. "Wir können diese Entwicklung kaum beherrschen, wenn wir die Tür zu weit und zu schnell aufstoßen", sorgt sich Gründer Liu Weiming von Fuxi Investment. Dow Jones

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