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24.10.2018 09:10

Seoul stützt HMM mit 5 Mrd US-Dollar

SEOUL (Dow Jones)--Die südkoreanische Containerschiff-Reederei Hyundai Merchant Marine (HMM) erhält zusätzliche 5 Mrd US-Dollar als staatliche Finanzierungshilfe. Damit unterstützt Südkorea den Kauf mehrerer Megafrachter in einer Zeit, in der das Unternehmen tief in der Krise steckt und sich auf einem umkämpften Markt gegen größere Konkurrenten aus Asien und Europa behaupten muss.

Seit dem Kollaps der Hanjin Shipping 2016 ist HMM das Flaggschiff der südkoreanischen Handelsflotte. 2,8 Mrd Dollar braucht das Unternehmen für den Kauf von 20 Containerschiffen aus heimischer Produktion. Der Rest des Geldes soll laut Brancheninsidern in neue Containerterminals investiert werden.

Das Eingreifen des Staates steht stellvertretend für den Willen asiatischer Regierungen, ihre heimischen Reeder und Schiffsbauer zu stützen, die gemeinsam verantwortlich sind für den milliardenschweren Export von Waren in die westliche Welt.

Die Finanzierung wurde teilweise arrangiert durch die Korea Ocean Business Corp. Dabei handelt es sich um eine staatliche Behörde, die erst im Juli gegründet wurde. Ihr Zweck ist es, die als wirtschaftlich relevant angesehene Handelsschifffahrt zu unterstützen. Die Branche ist gebeutelt durch die seit Jahren anhaltende Krise.

"Sagen wir einfach, es ist ein staatliches Investment", erklärt einer, der an dem Deal Beteiligten. "Südkorea muss seinen Platz im globalen Frachtgeschäft behaupten. Das liegt im nationalen Interesse."

Unter den kriselnden Schiffsbauern Südkoreas findet man Namen wie Daewoo Shipbuilding & Marine Engineering, Samsung Heavy Industries und Hyundai Heavy Industries. Die drei teilen sich gerade einen Auftrag zum Bau von acht kleineren Frachtern und zwölf Riesenschiffen, von denen jedes 23.000 Container tragen kann.

"Der Auftrag von HMM hätte zu keinem günstigeren Zeitpunkt kommen können", sagt ein hochrangiger Vertreter von einem der drei Schiffsbauunternehmen. Namentlich zitiert möchte er nicht werden. Dennoch fügt er hinzu: "Die Auftragsbücher sind leer, aber wir brauchen dringend Umsatz, um weitermachen zu können."

HMM steht für 1,8% des weltweiten Containerverkehrs. Die Top 5 bringen es zusammen auf 65%. Das Unternehmen schreibt seit Jahren rote Zahlen. Im vergangen Jahr wurde der Konzern erst im letzten Moment vor der Pleite bewahrt. Zu verdanken war das einem staatlicher Bailout im Volumen von 660 Mio Dollar. Ähnliche Rettungsaktionen gab es während der vergangenen fünf Jahre für mehrere Schiffsbauer. Die staatliche Intervention bringt europäische Schiffseigner auf die Palme. Von der EU fordern sie Strafmaßnahmen gegen Seoul wegen unfairer Handelspraktiken.

Containerschiffe bewegen jedes Jahr Waren im Wert von rund 4 Bill Dollar. Die Branche leidet jedoch unter Überkapazitäten und sinkenden Frachtraten. Das trieb bereits viele Unternehmen tief in die Verlustzone. Andere, wie zum Beispiel Hanjin Shipping, verschwanden ganz vom Markt. Laut der Europäischen Vereinigung von Reedereiverbänden (ESCA) verzerren staatliche Rettungsmaßnahmen wie in Südkorea die Märkte und fördern Überkapazitäten bei Frachtschiffen weltweit. Martin Dorsman, Geschäftsführer der ESCA, kritisierte Seols Verhalten als "teilweise protektionistisch".

HMM befördert rund ein Viertel aller südkoreanischen Exporte. Den Aufbau zusätzlicher Kapazitäten durch den Kauf neuer Schiffe, nennt Lars Jensen, Geschäftsführer von SeaIntelligence Consulting, riskant. "Das werden die noch teuer bezahlen", sagt er. "Das mögliche Frachtvolumen von HMM stieg im zweiten Quartal um 17% und damit um das Fünffache des viel größeren Konkurrenten aus Deutschland, Hapag Lloyd. Dieser machte zuletzt 25 Dollar Verlust pro Container. Bei HMM waren es 169."

Südkoreanische Frachtunternehmen meldeten für das zweite Quartal einen Verlust von insgesamt 215 Mio Dollar. Das war eines der schlechtesten Ergebnisse bislang. Das Problem von HMM: Das Unternehmen ist zu klein, um Skalenvorteile zu erreichen. Und die Schiffe sind zu groß für das lukrativere Nischengeschäft. "HMM ist im Grunde genommen nicht aufrecht zu erhalten. Niemand würde den Konzern kaufen", bemerkt Lars Jensen. "Südkorea verlor Hanjin auf peinliche Weise. Nun will das Land partout HMM trotz allen Problemen so lange schützen wie nur möglich." Auch wenn es über das Unternehmen sonst nicht viel Gutes zu sagen gebe, so sei es wenigstens "einer der besten Kunden für südkoreanische Schiffsbauer-Werften". Dow Jones

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