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03.07.2019 10:25

China: Staatsanleihen sind ihr Geld wert

Enge Verflechtung mit Entscheidungen der US-Notenbank

BEIJING (Dow Jones)--Die Anleihezinsen weltweit gingen in diesem Jahr nach unten. Chinas Staatsanleihen jedoch blieben stabil. Die Anleihen, die von der Zentralregierung und ihren politischen Banken ausgegeben wurden, haben in diesem Jahr ihre ganz eigene Qualität unter Beweis gestellt: Sie korrelieren nämlich kaum mit den Schulden der großen entwickelten Märkte. In vielerlei Hinsicht verhalten sie sich nicht einmal wie die Schuldverschreibungen der übrigen aufstrebenden Staaten.

Die hohe Nachfrage nach Staatsanleihen in weiten Teilen der Welt hat seit Jahresanfang die Zinsen auf Papiere mit zehnjähriger Laufzeit gedrückt. In den USA und in Deutschland fielen sie um etwa 0,6 Prozentpunkte beziehungsweise 0,5 Punkte. Die chinesischen Schuldtitel mit gleicher Laufzeit rentieren hingegen auf annähernd gleichem Niveau wie im Januar.

Die meiste Zeit des vergangenen Jahres, als fast jede Anlageklasse an Wert verlor, legten Staatsanleihen zu und bildeten für westliche Anleger eine der ganz wenigen Verteidigungslinien gegen das Elend andernorts.

Typisch für die Staatsanleihen der meisten aufstrebenden Märkte ist deren enge Verflechtung mit Entscheidungen der US-Notenbank. Die Zinsen auf Schuldverschreibungen bewegen sich rauf und runter in Einklang mit der Entwicklung in den USA. Ganz anders im Reich der Mitte: Dort gibt nicht die Federal Reserve, sondern die People's Bank of China den Takt vor.

Falls es um die Weltwirtschaft tatsächlich so schlecht steht, wie die Inflationserwartungen in den hochentwickelten Märkten vermuten lassen, wird die chinesische Wirtschaftspolitik für ihren Teil wahrscheinlich stimulierende Maßnahmen ergreifen, womit die Anleihezinsen sinken dürften. Die jüngsten Daten zur Wirtschaft liefern jedenfalls erste Hinweise auf eine Phase der Schwäche.

Falls die Lage aber gar nicht so düster ist, wie es scheinen mag, könnte sich ein Ausverkauf der Staatsanleihen hochentwickelter Volkswirtschaften noch schneller vollziehen als der zurückliegende Hype. Chinesische Schuldtitel hingegen böten immer noch Stabilität für ihre Besitzer.

Zurückblickend hielten Staatsanleihen für lange Zeit ihr Versprechen. Wenn sich das Wirtschaftswachstum jedoch abschwächt und Demografieprobleme Auswirkungen zeigen, werden die Zinsen wahrscheinlich genauso kontinuierlich sinken, wie man dies in den USA, in Europa und vor allem in Japan über drei Jahrzehnte hinweg beobachten konnte. Gleichzeitig werden die Preise für Anleihen steigen. In den vergangenen fünf Jahren lieferten Staatsanleihen rund 15% Zinsgewinn auf US-Dollar-Basis. US-Dollar-Bonds schafften nur 13%. Das geht aus einem Vergleich der beiden Indizes von Bloomberg Barclays hervor.

Zweifellos stecken auch Risiken in den Papieren aus China. Die größte Gefahr ist, dass Beijing den Wert des Yuan nicht mehr verteidigt und eine Abwertung über das symbolträchtige Sieben-zu-Eins-Verhältnis zum US-Dollar hinaus erlaubt. Anleger müssten dann währungsbedingte Verluste hinnehmen.

Dennoch und ironischerweise enthalten chinesische Staatsanleihen weniger politische Risiken als Unternehmensanleihen. Für viele Unternehmen stellt sich immer die Frage nach dem Rückhalt durch die Regierung. Entsprechend muss das Ausfallrisiko bewertet werden. Staatsanleihen verhalten sich auch stabiler als die stimmungsabhängigen chinesischen Aktien. Diese bergen nicht nur erhebliche Verlustrisiken - sie stiegen in den letzten zehn Jahren auch nur um rund 20% und besitzen damit allenfalls begrenzte Attraktivität für Buy-and-Hold-Anleger.

Auf dem chinesischen Anlagemarkt gibt es für westliche Anleger nicht viel, was seinen Preis wert ist. Als Stabilisator in einem Anleiheportfolio könnten Staatsschuldverschreibungen die Ausnahme sein.

Mike Bird

www.maerkte-weltweit.de

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