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24.07.2019 09:50

China: Regionale Institute vor großen Problemen

Die Märkte glauben der Regierung nicht / Von Nathaniel Taplin

HONGKONG (Dow Jones)--In China erzählt man sich eine Geschichte. Da vergräbt ein Mann 300 Silberstücke und stellt ein Schild darüber auf mit den Worten: "Hier liegt kein Silber versteckt." Dennoch wurde der Schatz vom Nachbarn genommen, und dieser hinterließ die Notiz: "Nachbar Wang hat nicht gestohlen."

Nach Übernahme der Kontrolle über die Baoshang Bank durch die chinesische Aufsicht wurden Vertreter der Regierung nicht müde zu betonen, dass es sich hierbei nur um einen Einzelfall handelte, der keine Rückschlüsse auf etwaige Probleme kleinerer Banken im Allgemeinen zuließe. Die Märkte stimmen damit nicht überein. Sie erkennen eindeutige Anzeichen einer Krise. Die Baoshang Bank im Norden Chinas zählt zu den kleineren Kreditinstituten.

Die Zinsen auf verkehrsfähige Schuldtitel als wesentliches Refinanzierungsmittel kleinerer Banken sind gerade für Institute mit schwächerem Rating in die Höhe geschossen. Die Emission solcher Papiere ist bereits eingebrochen. Nun schien es, als würden sich die Märkte ein wenig beruhigen, nachdem die Zentralbank ihr Okay zur indirekten Stützung einer weiteren kleineren Bank in Nöten, der Bank of Jinzhou, gegeben hatte. Ihr wurde geholfen mit einer Art Kreditausfallversicherung, ähnlich einem Credit Default Swap. Sollte die Bank of Jinzhou ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen, würde ein staatlicher Kreditversicherer mit Unterstützung der Zentralbank einspringen. Die Bank of Jinzhou geriet in den Fokus der Märkte, nachdem die unabhängigen Buchprüfer Ende Mai ihren Auftrag niedergelegt hatten.

Eine Auffanglösung der Zentralbank für gefährdete Kreditinstitute könnte helfen, die Schwächen im chinesischen Finanzsystem zu überdecken. Wie Anleger jedoch aus der Finanzkrise 2008 lernen mussten, ist eine solche Risikoverteilung ein zweischneidiges Schwert. Wenn derartige Maßnahmen zur Gewohnheit werden, könnten am Ende des Weges noch größere Probleme warten.

Die Angst im Markt für verkehrsfähige Schuldtitel oder handelbare Einlagenzertifikate (NCDs) hat zwei Gründe: Zunächst besitzen NCDs im Gegensatz zu den meisten anderen Kurzfrist-Kreditvereinbarungen in China keine hinterlegten Sicherheiten. Wenn ein Kreditnehmer ausfällt, sind die Verluste umso größer. Zweitens ist die Baoshang Bank nicht der einzige kleine Kreditgeber, der beunruhigende Signale sendet. Einschließlich Baoshang und Jinzhou sind laut einer Analyse von Barclays momentan 19 kleinere chinesische Institute mit der Veröffentlichung ihrer Jahresberichte 2018 in Verzug.

Die größte Bank auf dieser Liste ist die Hengfeng Bank. Übersetzt heißt der Name "Bank des immerwährenden Wachstums". Sie führt in ihren Büchern 202,58 Mrd US-Dollar oder 1,4 Bill Yuan an Vermögenswerten. Stand März hatten alle chinesischen Banken zusammen Vermögenswerte im Volumen von 276 Bill Yuan.

Nach Beschlagnahmung der Baoshang Bank durch Beijing reagierten Investoren zurückhaltend auf die neueste Emission von NCDs durch Hengfeng. Laut Research-Unternehmen Wind fanden jüngst nur 11% der mit einem Umfang von 2 Mrd US-Dollar geplanten Emission von Titeln mit drei Monaten Laufzeit Abnehmer.

Mit ihren jüngsten Maßnahmen hat die Zentralbank Investoren zunächst einmal ruhiggestellt, auch wenn die Zinsen auf NCDs hoch bleiben. Dabei ist die chinesische Bankenaufsicht allenfalls Experte beim Stopfen von Löchern in einem aufgeweichten Damm. Das sieht nicht nach einer nachhaltigen Strategie aus. Angesichts der vielen Löcher ist es schwer vorherzusagen, ob und wann der Damm bricht.

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