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31.07.2019 09:40

Im Ernstfall kein Ersatz für Seltene Erden

BERLIN (Dow Jones)--Im Fall einer Ausweitung des US-chinesischen Handelskonflikts auf Rohstoffe drohen deutschen Unternehmen Lieferengpässe bei bestimmten Metallen. Betroffen sind die Seltenen Erden, die in der Hightech-Produktion sehr nachgefragt sind. Im Notfall sei eine alternative Versorgung mit schweren Seltenen Erden derzeit nicht möglich, teilte das Bundeswirtschaftsministerium auf eine Anfrage des FDP-Abgeordneten Alexander Kulitz mit und berief sich dabei auf Informationen der Bundesanstalt für Rohstoffe und Geowissenschaften (BGR). Für die Versorgung mit leichten Seltenen Erden könne indes auf Produkte aus der Russischen Föderation und Malaysia zurückgegriffen werden, heißt es in der Antwort, die "Dow Jones Newswires" vorliegt.

Die Seltenen Erden werden etwa zum Bau von Handys, Laptop-Bildschirmen, Digitalkameras, Solar- wie Windkraftanlagen, Batterien für Elektroautos oder Waffensystemen benötigt. Die insgesamt 17 Metalle untergliedern sich nochmals in zwei Gruppen: Zu den leichten Seltenen Erden gehören etwa die Stoffe Scandium und Lanthan. Zu den schweren Seltenen Erden, für die es keinen Ersatz gäbe, zählen laut BGR Yttrium, Samarium, Europium, Gadolinium, Terbium, Dysprosium, Holmium, Erbium, Thulium, Ytterbium und Lutetium.

China ist inzwischen das wichtigste Förderland dieser Metalle. Lieferänderungen dort haben Folgen für die gesamte Weltwirtschaft. Als 2010 China seine Exportquoten für Seltene Erden senkte, kam es in den zwei Folgejahren global zu Verknappungen und Preiserhöhungen. Die deutschen Unternehmen gaben die Teuerungen damals vollständig an die Kunden und Endverbraucher weiter, wie das Wirtschaftsministerium erklärte.

Ob die deutschen Unternehmen eine erneute Liefereinstellung anlässlich des aktuellen Handelskonflikts indes überbrücken könnten, ist in Berlin nicht bekannt. "Der Bundesregierung liegen keine Kenntnisse über die Reserven an Seltenen Erden bei den in Deutschland tätigen Unternehmen vor", heißt es in der Antwort. Derzeit gebe es auch "keinen Austausch" der Regierung mit kleinen und mittelständischen Unternehmen, die nicht über langfristige Lieferverträge für Seltene Erden verfügen.

Einige Unternehmen hätten zwar damals mit der zuständigen Bundesanstalt Strategien für den Ernstfall entwickelt. Das Wirtschaftsministerium versichert auch, es werde die Maßnahmen "weiterhin flankieren" und sich auf Ebene der Europäischen Kommission engagieren. Doch für den Krisenfall sieht das Ressort die Verantwortung bei der Wirtschaft selbst: "Die Rohstoffsicherung ist und bleibt aber grundsätzlich Aufgabe der Unternehmen, dies betrifft auch die Versorgung mit Seltenen Erden."

Der außenhandelspolitische Sprecher der FDP-Fraktion Kulitz kritisierte, dass die Bundesregierung "eine problematische Mentalität" offenbare. "Die sichere Versorgung mit Seltenen Erden ist für unsere wirtschaftlichen und technologischen Perspektiven unersetzbar und sollte in einer Rohstoffstrategie gesichert werden", erklärte er "Dow Jones Newswires". Die besonders unter Preisschwankungen und Unsicherheit leidenden Mittelständler und Familienunternehmen blieben "bei handelspolitischen Problemen im Regen stehen", monierte Kulitz. "Obwohl die Verfügbarkeit Seltener Erden gerade zum weltpolitischen Spielball wird, bleibt die Bundesregierung passiv."

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