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14.08.2019 10:50

Chinas Autoindustrie greift nach neuen Märkten

"Die globale Expansion ist ein natürlicher Wachstumsansatz" / Von Trefor Moss and Vibhuti Agarwal

BEIJING (Dow Jones)--Chinesische Autobauer investieren Milliarden von Dollar, um auf ausländischen Märkten Fuß zu fassen: von Indien über Afrika bis nach Europa. Einst hatten sie noch Mühe, ihre Autos im Inland, geschweige denn im Ausland an den Mann zu bringen. Mittlerweile aber haben Fahrzeuge aus dem Reich der Mitte bei der Qualität zur Konkurrenz aufgeschlossen und unterbieten diese im Preis, wie Analysten sagen.

Daraus wollen die führenden Marken nun Kapital schlagen. Die ersten großen Werke werden in Übersee errichtet. Das passt zu Beijings lange gehegtem Ehrgeiz, einheimische Autobauer zu global wettbewerbsfähigen Herstellern zu machen.

Chinas größter Autobauer SAIC Motor begann im Juni, den indischen Markt mit einem neuen Sport-Utility-Fahrzeug namens MG Hector zu testen. Ziel war, 21.000 Einheiten innerhalb von sechs Monaten zu verkaufen. Bereits nach vier Wochen war das SUV ausverkauft.

Händler mussten Kunden wie Shiv Nagpal abweisen. Der arbeitet im Schmuckgeschäft seiner Familie und sagt, chinesische Produkte hätten in Indien einen guten Ruf. Sein schickes iPhone kommt bereits aus dem Reich der Mitte. "Warum sollten wir jetzt nicht mal ein neues Produkt von dort ausprobieren", so der 37-Jährige.

Bei ihrem Vorstoß in andere Märkte haben Chinas Autobauer einen langen Atem. "Sie sind bereit, zehn Jahre lang Geld zu verlieren", ehe sie sich am Ende etablieren, sagt Michael Dunne, CEO des Automobilberatungsunternehmens ZoZo Go.

US-Autobauer hatten sich zuletzt aus vielen ausländischen Märkten zurückgezogen. Gleichzeitig wuchsen die Ambitionen der Chinesen. Dunne, der das Werk von General Motors in Indonesien von der Eröffnung 2013 bis zur Schließung zwei Jahre später leitete, spricht aus Erfahrung: "Die westlichen Autohersteller bestehen darauf, innerhalb von 36 bis 48 Monaten Gewinne zu machen." In einem Land wie Indonesien, wo es Zeit braucht, um eine Marke aufzubauen und Marktanteile zu gewinnen, könne das jedoch nicht funktionieren.

Die chinesischen Unternehmen haben gute Gründe, zu neuen Märkten aufzubrechen. Obwohl ihr Heimatmarkt der größte der Welt ist, stagnieren die Autoverkäufe nach Jahrzehnten des Wachstums.

Doch Unternehmen, die ins Ausland gehen, stehen vor dem mühsamen Prozess der Markenbildung, des Aufbaus lokaler Lieferketten und nationaler Händlernetze. Das kann Jahre dauern und Milliarden kosten. Eine besondere Herausforderung für die Chinesen ist zudem, dass etliche der anvisierten Länder von japanischen Automarken dominiert werden. Schon zweimal war China mit ähnlichen Plänen gescheitert.

Vor einem Jahrzehnt hatte die staatliche FAW Group Pläne in der Tasche, um Lateinamerika zu erobern. In Mexiko sollte eine Fabrik zur weiteren Montage von Bauteilen aus China entstehen. Das Unternehmen wurde Opfer der globalen Finanzkrise und kam nie in Gang. 2014 investierte Chery Automobile, ein weiteres staatliches Unternehmen, 530 Mio US-Dollar in ein Werk in Brasilien. Auch dieser Einsatz zahlte sich nicht aus, und 2017 wurde die Fabrik verkauft.

Heute gehen die Chinesen mit anderen Voraussetzungen an den Start. Ihre Produkte sind besser und ausgereifter geworden. Die Wettbewerbsfähigkeit wird auf dem Heimatmarkt bestätigt, wo es gelang, vielen Konkurrenten aus dem Ausland Marktanteile abzunehmen. Langfristig haben die chinesischen Autobauer wohlhabende Märkte wie die USA im Blick. Derzeit konzentrieren sie ihre Aktivitäten hauptsächlich noch auf Entwicklungsländer.

Die staatliche SAIC hat in den letzten zwei Jahren Werke in Indonesien und Thailand eröffnet. Von dort aus soll der ganze südostasiatische Markt bedient werden. Der Autobauer hat sich bis 2025 vorgenommen, jährlich 1 Mio Fahrzeuge im Ausland zu verkaufen.

Great Wall Motor Company eröffnete im Juni ihr erstes Werk in Russland. Und die staatseigene BAIC Motor Corporation begann im vergangenen Jahr mit der Produktion in Südafrika. Dafür wurde eine Fabrik gebaut, die 772 Mio Dollar kostete und die bislang größte chinesische Einzelinvestition in Afrika darstellt.

Die Geely Holding aus der Provinz Zhejiang, zu der auch Volvo gehört, eröffnete 2017 ihr erstes Auslandswerk in Belarus, um von dort aus Russland und Osteuropa zu beliefern. Vergangenen Dezember brachte das Unternehmen sein erstes Fahrzeug für den südostasiatischen Markt heraus, nachdem Geely 2017 49,9% des malaysischen Autoherstellers Proton übernommen hatte. Und Geelys Sparte für Elektrofahrzeuge, die London Taxi Company, hat vor zwei Jahren die Produktion in einem neuen britischen Werk aufgenommen.

"Die globale Expansion chinesischer Marken ist ein natürlicher Wachstumsansatz", sagt ein Geely-Sprecher und erinnert daran, wie sich japanische und koreanische Autohersteller in den 1970er- und 1980er-Jahren zu internationalen Marken entwickelten.

In Indien bekommt SAIC Auftrieb durch die über Erwarten starke Nachfrage nach dem Modell MG Hector, einer modifizierten Version seines verkaufsstarken chinesischen SUV mit einem Preis von rund 17.700 Dollar. SAIC hatte die fast 100 Jahre alte britische Automarke MG 2007 erworben. Vor einigen Jahren kaufte SAIC auch noch das Werk von General Motors in Indien.

Das Unternehmen setzt auf das beispiellos große Potenzial Indiens: Dort werden jährlich nur 3,5 Mio Autos verkauft, ein Bruchteil der 28 Mio Fahrzeuge, die in China abgesetzt werden. Doch die Einkommen in Indien steigen, und das Autogeschäft wird voraussichtlich mit ihnen wachsen.

SAIC kam im richtigen Moment, um das zu nutzen, sagt Paul Blokland, Direktor von Segment Y Automotive Intelligence. "Das Potenzial für die nächsten zehn Jahre ist gigantisch. Wenn ich GM gewesen wäre, wäre ich wohl geblieben", so Blokland.

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