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25.11.2019 15:55

"Käufer nehmen europäische Ziele ins Visier"

NEW YORK (Dow Jones)--Der europäische Gesundheitssektor profitiert von den Handelsstreitigkeiten zwischen China und den Vereinigten Staaten. So fließen die Investitionen in beide Richtungen und die Forschungskooperationen florieren. Beijing strebt nach neuen Technologien, die im Ausland entwickelt wurden, um das Gesundheitssystem fit für eine alternde Bevölkerung zu machen. Und die europäischen Pharmakonzerne und Medizintechnikgesellschaften suchen begierig nach frischen Mitteln und nach Möglichkeiten, auf einem der weltweit größten Märkten Fuß zu fassen. "Ich muss sagen, dass wir unsere Investitionen in den USA zurückgefahren haben", sagte Haitong Wang, Managing Partner bei dem Private-Equity-Geschäft Zhejiang United Investment Group. Der Manager räumte ein, nun verstärkt nach Europa zu reisen. Und dabei nicht nur nach Großbritannien, sondern auch nach Deutschland und in die nordischen Länder.

Sein Unternehmen beteiligte sich über den Zhejiang Silkroad Fund an einer Investitionsrunde von 240 Mio US-Dollar in das britische Robotik-Chirurgie-Unternehmen CMR Surgical. Man sei der Auffassung gewesen, der Markt für medizinische Geräte sei nun ausreichend konsolidiert und bereit für neue Herausforderungen. Eigentlich sei nach Chancen in den USA geschaut worden, doch wegen des Handelsstreits lasse man Vorsicht walten. Investoren aus dem Reich der Mitte interessieren sich dabei für alle Technologien im Gesundheitsbereich.

Im April kaufte Fosun Pharma aus Shanghai die chinesischen Lizenzrechte an zwei Zelltherapieprogrammen (für Schlaganfall und Augenerkrankungen) für bis zu 80 Mio Pfund (rund 93 Mio Euro) von der in London gelisteten Reneuron. Damals erklärten die Analysten der US-Investmentbank Stifel, durch die Lizenzvereinbarung bekomme Reneuron jetzt Zugang zu einem Markt, auf den es der Konzern alleine wohl nicht gewagt hätte. Viren Mahurkar, Gründer und Chairman von Hichinrock Advisors, sagte, dass sich der Gesamtmarkt für Geschäfte im innovativen Gesundheitsbereich zwar auf die USA konzentriere, dort aber die Regierung bei ausländischen Investitionen, insbesondere aus China, kritischer geworden sei. "Eine Folge davon ist, dass chinesische Käufer nun mehr europäische Ziele ins Visier nehmen", sagte er weiter.

Zudem würden viele Firmen in der umfangreichen US-Gesundheitsbranche immer teurer und seien zunehmend überbewertet. Und die US-Amerikaner schauten sich ihrerseits im Ausland nach besseren Deals um. In der Zwischenzeit prüften die europäischen Unternehmen ihre Chancen, mehr von ihren Produkten an die immer wohlhabendere Bevölkerung Chinas zu verkaufen. Das Reich der Mitte war einst ein wichtiger Umsatztreiber für den anglo-schwedischen Pharmariesen AstraZeneca und ein wichtiger Schwerpunkt für den CEO Pascal Soriot. Im dritten Quartal kam AstraZeneca auf einen China-Umsatz von 1,28 Mrd Dollar. Auf Basis konstanter Wechselkurse war das ein Wachstum von 40% gegenüber dem Vorjahr. Anfang dieses Monats kündigte AstraZeneca Pläne an, bis zu 1 Mrd Dollar in einen Fonds einzubringen, der in chinesische Start-ups aus der Gesundheitsbranche in Zusammenarbeit mit einer lokalen Investmentbank investieren soll.

Im September kündigte die britische Bioindustry Association an, mit AstraZeneca zusammen arbeiten zu wollen. Gemeinsam wolle man kleinere und mittlere britische Unternehmen unterstützen, die an der Entwicklung kommerzieller und strategischer Beziehungen zu ihren chinesischen Partnern Interesse hätten. Ungeachtet der Pläne Großbritanniens, die Europäische Union zu verlassen, konnte die britische Life-Science-Branche chinesische Investoren anlocken. Allerdings sind einige Analysten der Meinung, dass sich das Bild bald ändern könnte.

Das Vereinigte Königreich mit seinen zahlreichen Universitäten für Spitzenforschung in Oxford, Cambridge und London war selbstverständlich für chinesische Investoren ein Zielobjekt. Aber auch andere Teile Europas haben von diesem wachsenden Interesse profitiert. So gab im Juli die norwegische Firma Photocure eine Vereinbarung mit der in China ansässigen Firma Asieris bekannt. Konkret lizensierte Photocure die weltweiten Rechte an ihrem Medikament Cevira, zur Behandlung von durch humane Papillomaviren verursachten Gebärmutterhalskrebs und dessen Vorstufen, aus. Im Rahmen des Deals bekommt Photocure bis zu 250 Mio Dollar an Meilensteinzahlungen.

In Dänemark hat das Biotechnologie-Start-up Cysbio von Zhejiang NHU eine Investition von 5,5 Mio Euro bekommen. Damit wollen die Dänen ihr Geschäft ausbauen und die Forschungskapazitäten erweitern. Adam Barker, Analyst der britischen Investmentgruppe Shore Capital, sagte, dass die jüngsten Hindernisse für chinesische Investitionen in den USA möglicherweise dazu führen, dass die Gelder ins restliche Ausland fließen. Er mahnte allerdings, für weitreichende Schlussfolgerungen sei es noch zu früh. "Im Guten wie im Schlechten ist Amerika immer noch der größte Markt für Pharmazeutika und Biotechnologie", sagte er. "China holt zwar auf, aber ich glaube nicht, dass das Reich der Mitte für die USA hier in absehbarer Zeit zu einer Bedrohung wird".

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