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18.12.2019 12:15

Optimistische Aussichten für 2020

Trotz zunehmender Probleme bleibt das Land attraktiv

Nicht erreichte Jahresziele, gleichwohl gute Investitionsaussichten und vielschichtige Herausforderungen: Deutsche Unternehmen in China zeichnen ein gemischtes Bild ihrer Lage. Im Interview erläutern Andreas Glunz, Bereichsvorstand International Business bei KPMG, und Jens Hildebrandt, Geschäftsführer der Deutschen Handelskammer in Beijing (AHK), anhand der Ergebnisse der Studie ?German Business in China 2019/2020?, was deutsche Unternehmen in China bewegt und wie ihr Blick in die Zukunft aussieht.

Herr Glunz, Herr Hildebrandt, wie sehen deutsche Unternehmen ihre Zukunft in China?

Hildebrandt: Die Aussichten für das Geschäftsjahr 2019 sind getrübt. Das allein wäre schon schwierig genug ? hinzu kommt aber, dass besonders die normalerweise starke Automobil- und Maschinenbaubranche von den negativen Erwartungen betroffen ist. Entwicklungen wie der Handelskrieg mit den USA und der wirtschaftliche Abschwung in China sind an deutschen Unternehmen vor Ort nicht spurlos vorbeigegangen. Unsere Studie zeigt, dass nur 27% der deutschen Unternehmen für 2019 erwarten, ihre Geschäftsziele in China zu erreichen. Nicht einmal jedes dritte Unternehmen rechnet also mit einem Jahr nach Plan. Im Vergleich zu anderen Regionen sind die Zahlen jedoch relativ positiv und für 2020 gibt es für die Geschäftserwartungen vorsichtige Anzeichen einer Verbesserung.

Glunz: Insgesamt ist und bleibt China ein sehr wichtiger Markt für die gesamte deutsche Industrie, denn dort erwirtschaften deutsche Unternehmen signifikante Umsatz- und Gewinnanteile. Für jedes zweite der von uns befragten deutschen Unternehmen ist China mit Blick auf Umsätze und Gewinne einer der Top-3-Märkte. Es zeigt sich aber auch: Für nur gut jedes zehnte deutsche Unternehmen ist China der Nummer-1-Markt für Investitionen, Gewinne und Umsätze. Kurzum: Von einer generellen Abhängigkeit deutscher Unternehmen von China als Markt kann also nicht die Rede sein.

Welche Unterschiede gibt es in den einzelnen Branchen?

G: Je nach Branche hat China als Markt für deutsche Unternehmen eine unterschiedlich große Bedeutung. So sind etwa deutsche Automobilhersteller und -zulieferer am stärksten in China verwurzelt. Unterschiede zeigen sich auch bei den Wachstumsraten deutscher Unternehmen in China. Insgesamt sinken diese zwar, aber eben nicht in allen Branchen. Während für die Automobilindustrie die Zeiten zweistelliger Steigerungsraten bei Umsatz und Gewinn vorbei sind und sich deutsche Automobilunternehmen dort in der Konsolidierungsphase befinden, erwarten die IT- und Telekommunikationsbranche sowie die Hersteller von Gesundheitsprodukten, dass ihnen die besten Zeiten in China noch bevorstehen.

Welche Herausforderungen sehen deutsche Unternehmen am Wirtschaftsstandort China?

H: Im Grunde genommen geht es bei den relevantesten Herausforderungen um einen dringend erforderlichen verbesserten Zugang zum chinesischen Markt und einen damit einhergehenden soliden und transparenten Regulierungsrahmen.

Hier ist schon einiges erreicht worden, von einer umfassenden systematischen Marktöffnung auf allen Ebenen sind die erzielten Fortschritte jedoch noch weit entfernt. So sehen sich rund zwei Drittel der Unternehmen weiterhin von Marktzugangsbarrieren betroffen. Die Vergabe von Lizenzen, eine mangelnde Beteiligung an der Entwicklung von Industriestandards oder ein zu kurzer Vorlauf bei der Umsetzung neuer Vorschriften sind hier nur einige Beispiele.

Welche Auswirkungen zeigt der Handelskonflikt zwischen den USA und China?

G: Enorm große ? acht von zehn der befragten deutschen Unternehmen in der Volksrepublik spüren negative Auswirkungen des Handelskonflikts zwischen den USA und China. Neben steigenden Kosten durch die neu eingeführten Zölle sind auch die Lieferketten betroffen. Deutsche Unternehmen ergreifen eine Vielzahl von Gegenmaßnahmen, aber nur gut jedes zehnte Unternehmen gibt an, seine bisher getätigten Investitionen bedingt durch den Handelskonflikt aus China in ein anderes Land zu verlagern. Stattdessen werden für neue Investitionen vermehrt andere Länder ergänzend zu China gewählt ? vor allem Südostasien, aber auch in Indien. Fakt ist: China ist als Markt einfach zu wichtig,

um ihn zu verlassen.

Was schätzen deutsche Unternehmen am Wirtschaftsstandort China?

H: Ich möchte betonen, dass deutsche Unternehmen trotz all der Herausforderungen attraktive Geschäftsmöglichkeiten in China sehen. Zu den wichtigsten Faktoren gehört für deutsche Unternehmen dabei der wachsende Binnenkonsum.

Auch die steigende Nachfrage der chinesischen Konsumenten nach ausländischen Marken und Qualitätsprodukten und die Beteiligung an Innovationen und digitalen Technologien spielen für deutsche Unternehmen künftig eine große Rolle.

G: China entwickelt sich weiter zu einem reifen Industrieland ? mit entsprechenden Vorteilen und Herausforderungen: 75% der Befragten bemängeln steigende Personalkosten und 68% die Verfügbarkeit qualifizierter Arbeitskräfte. Zugleich bieten sich gerade deutschen Unternehmen mit ihren global bekannten Marken und Qualitätsprodukten neue Geschäftschancen. Der Rückgang des Wirtschaftswachstums auf circa 6% in China muss auch ins rechte Licht gerückt werden: Im internationalen Vergleich ist das eine weiterhin überdurchschnittlich hohe Wachstumsrate. So wird in der Euro-Zone nur mit einer Wachstumsrate von 1 bis 2% gerechnet.

Wie gehen die Unternehmen mit Innovationen und der Digitalisierung um?

G: Chinesische Unternehmen sind heute mit führend bei digitalen Innovationen. 47% der befragten deutschen Firmen glauben, dass chinesische Unternehmen in den kommenden fünf Jahren Innovationsführer in ihrer Industrie sein werden ? das sind elf Prozentpunkte mehr als im vergangenen Jahr. Insofern scheint es dringend geboten, dass deutsche Unternehmen in China nach Kooperationen und Partnerschaften streben, um an den in China generierten Innovationsfortschritten teilzuhaben.

H: Hinzu kommt, dass rund sechs von zehn der deutschen Unternehmen aktuell nicht mit chinesischen Startups, Forschungseinrichtungen und Universitäten zusammenarbeiten. Hier kann noch viel Potenzial gehoben werden, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Wie nehmen deutsche Unternehmen neue Entwicklungen wie etwa die jüngsten Regulierungsreformen oder das Sozialkreditsystem wahr?

H: Grundsätzlich empfinden deutsche Unternehmen einen Teil der bisher umgesetzten Reformen als positiv, beispielsweise die Durchsetzung der umweltrechtlichen Vorschriften. Allerdings wissen wir von unseren Unternehmen auch, dass die Umsetzung dieser Vorschriften teilweise von strengen Maßnahmen begleitet wird, die sich auf Produktion, Lieferketten und letztlich auf strategische Investitionsentscheidungen deutscher Unternehmen auswirken. Die Studie zeigt, dass mehr als ein Drittel der Befragten einige der strukturpolitischen Reformen als unzureichend bewerten.

G: Ein weiteres sehr wichtiges neues Thema ist die nahende Implementierung eines umfassenden nationalen Sozialkreditsystems für Unternehmen. Dies löst bei vielen deutschen Unternehmen bislang vor allem Unsicherheit aus.

Das liegt auch daran, dass sich die Unternehmen nicht ausreichend informiert fühlen. 59% kennen ihr Rating nicht, 70% bereiten sich noch nicht aktiv darauf vor und 24% glauben, dass dieses System für sie nicht relevant sei. Für Großkonzerne und mittelständische Unternehmen besteht hier gleichermaßen dringender Informations- und Handlungsbedarf.

Andreas Glunz ist Bereichsvorstand International Business bei der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Jens Hildebrandt ist geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Deutschen Handelskammer und Delegierter der Deutschen Wirtschaft in Beijing.

www.maerkte-weltweit.de

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