Trends - Analysen - Strategien aus China, Hong Kong, Indien, Indonesien, Japan, Korea, Malaysia, Myanmar, Philippinen, Singapur, Taiwan, Thailand, Vietnam

Aktuell ASIA

Startseite » Zu viel Optimismus ist bei China verfrüht

08.01.2020 10:00

Zu viel Optimismus ist bei China verfrüht

BEIJING (Dow Jones)--Der Pessimismus der Jahresmitte 2019 ist bei den Investoren einem unumwundenen Optimismus gewichen. Dafür verantwortlich sind vor allem gute Nachrichten aus den beiden weltgrößten Volkswirtschaften. Bevor die Anleger nun aber losziehen, um Aktien einzukaufen, sollten sie sich China nochmal genauer anschauen.

Einen Grund zur Vorsicht lieferte China letzte Woche, als die Zentralbank die Mindestreserveanforderungen für Banken mit Wirkung zum 6. Januar senkte und damit geschätzte rund 800 Mrd Yuan - umgerechnet rund 100 Mrd Euro - ins Finanzsystem pumpt. Seit Anfang 2018 nutzt die People's Bank of China die Mindestanforderungen als bevorzugtes Werkzeug, um gegen die Verlangsamung des Wachstums vorzugehen.

Die Maßnahme war erwartet worden, nachdem Premier Li Keqiang im Dezember zusätzliche Unterstützung für die Wirtschaft gefordert hatte. Sie spiegelt zum Teil einen saisonalen Finanzierungsengpass wider: Die Nachfrage nach Liquidität steigt immer zum Ende des Kalenderjahres und vor dem chinesischen Neujahrsfest, das dieses Jahr auf den 25. Januar fällt.

Dieses Jahr wird die saisonale Liquiditätsschwäche schlimmer ausfallen als üblich, weil Beijing den Regionalregierungen gestattet hat, einige Infrastruktur-Anleihen früher auszugeben und damit Kapazitäten aus dem Markt zu nehmen als bis zur Genehmigung des Jahresbudgets im März zu warten. Einige wichtige Geldmarktsätze, darunter die sieben- und 14-tägigen Repogeschäfte, legten Mitte Dezember abrupt zu.

Chinas Bausektor schwächelt

Aber die Senkung der Mindestreserveanforderungen stellt auch ein stilles Eingeständnis dar, dass die Dinge nicht so rosig sind wie einige der jüngsten Daten zu signalisieren scheinen. Während die Hinweise zunehmen, dass Chinas Exportmaschinerie auf dem Wege der Besserung ist, stehen einige andere wichtige Teile der Wirtschaft deutlich schlechter da als vor sechs Monaten. Der Häusermarkt kühlt sich rapide ab und damit auch die Bautätigkeit. Im Dezember wies der offizielle Einkaufsmanagerindex für den Bausektor den schwächsten Wert seit Anfang 2016 aus.

Die Rendite auf Vermögenswerte für verschuldete staatliche Industrieunternehmen, konzentriert in vom Häusermarkt abhängigen Sektoren wie Stahl, schwächt sich ebenfalls ab. Damit ist es umso dringlicher, die Liquidität auf dem Anleihemarkt hoch und folglich die Refinanzierungskosten für Staatsbetriebe niedrig zu halten. Die Senkung der Mindestreserveanforderungen wird dazu beitragen: Wenn die Notenbank sich nur um die kurzfristige Liquiditätsausstattung kurz vor dem Neujahrsfest sorgen würde, könnte sie diese über ihre täglichen Offenmarktgeschäfte oder andere kurzfristige Liquiditätsinstrumente regeln und müsste nicht zu dem wenig filigranen Instrument der Mindestreserve greifen.

Zu Beginn des Jahres 2020 sieht es für die Verlierer von 2019 - private Unternehmen und Exporteure - etwas besser aus. Die Gewinner des vergangenen Jahres - Immobilien und Staatsindustrie - stehen dagegen auf wackligeren Beinen. Auch wenn sie die guten Nachrichten feiern, sollten Anleger mit Vorsicht auf die großen Rallys im Bereich Metall, Bergbau und anderen Teilen der Schwerindustrie schauen.

Nathaniel Taplin

www.maerkte-weltweit.de

Aktuelles Heft

Die Oktoberausgabe mit China-Schwerpunkt
Titelbild der aktuellen Ausgabe von aktuellAsia

Außenwirtschaftsgesetz
Freie Investitions-bedingungen gefordert

E-Mobilität
Kfz-Markt im Umbruch

Logistik
Alumni-Netzwerk

Recht & Steuern
Das neue private Einkommensteuergesetz


Mediadaten

Werben Sie mit Asia Bridge!

Successfully advertising with Asia Bridge!

Partner